Wir wollen weiter wachsen
- only available in german language -Interview: Siegfried Bullinger von Bausch + Ströbel über Krise, Kunden, Mitarbeiter und die Zukunft seines Unternehmens.
RegioBusiness: Herr Bullinger, Sie haben in letzter Zeit eine ganze Reihe von größeren Aufträgen an Kunden ausgeliefert. Das lässt den Schluss zu: Sie sind gut durch die Krise gekommen?
Bullinger: Tatsächlich konnten wir im Februar eine komplexe Anlage in die USA ausliefern, die mit einem Verkaufspreis von knapp 19 Millionen Euro das bislang teuerste Einzelprojekt von Bausch + Ströbel darstellte. Eine weitere Großanlage ist ebenfalls fertig, hat unser Werk jedoch noch nicht verlassen. Der Kunde führt hier erste Produktionstestläufe direkt bei uns im Hause durch. Im Jahr 2009, während der Krise, profitierten wir natürlich von unseren vollen Auftragsbüchern aus den vorangegangenen, sehr guten Jahren. Der Betrieb war immer voll ausgelastet, galt es doch, angefangene Projekte abzuarbeiten. Kurzarbeit und Personalabbau waren kein Thema für uns - im Gegenteil, es wurden weiter neue Mitarbeiter eingestellt. Zudem wurden zahlreiche neue Kundenanfragen projektiert. Die Kunden hielten sich aber bei der Auftragsvergabe oft noch zurück. Auch weil die Lieferzeiten flexibler und kürzer geworden sind und damit bei kurzfristigen Bestellungen eine rasche Umsetzung von Projekten möglich ist. Seit September hat sich die Auftragslage deutlich gebessert.
RegioBusiness: Es ist auffallend: Die Aufträge haben eine lange Vorlaufzeit. Täuscht der Eindruck oder nimmt das Projektgeschäft zu?
Bullinger: Derzeit verlassen pro Jahr 350 bis 400 Maschinen unser Haus, darunter tatsächlich immer mehr komplexe Großanlagen. Bausch + Ströbel hat eine für den Spezialmaschinenbau außergewöhnlich große Bandbreite an Einzelmaschinen im Angebot. Das reicht von der Reinigungsmaschine für pharmazeutische Behältnisse bis hin zu Etikettiermaschinen und komplexen Kontrolleinrichtungen. Dies macht uns zum idealen Projektpartner für Pharmazeuten, die Lösungen für komplette Verarbeitungszyklen suchen. Bei unserer Hausmesse nächste Woche können die Gäste auch solch komplexe Projekte genauer unter die Lupe nehmen.
RegioBusiness: Apropos Hausmesse bzw. Kundentag: Worin liegen die Vorteile solcher Veranstaltungen für Sie als Anlagenbauer?
Bullinger: Wenn unsere Verkäufer Kunden besuchen, werden spezielle Technologien in der Regel anhand von Bild und Filmmaterialien erläutert. Anschaulicher erklären lässt sich unser technisches Knowhow natürlich direkt an den Maschinen und Anlagen. Derzeit haben wir einige interessante Projekte im Haus. Und zwar in einer Vielfalt, wie wir sie bei einer üblichen Messe selbst am großzügigsten Messestand gar nicht zeigen könnten. Zudem bieten wir unseren Gästen noch einige interessante Fachvorträge. Und: Die Kunden lernen alle für sie zuständigen Mitarbeiter kennen.
RegioBusiness: Bausch + Ströbel ist ja als Spezialmaschinenbauer gerade auch für die pharmazeutische Industrie längst ein Schwergewicht. Wo sehen Sie Möglichkeiten, sich zusätzliches Wachstum zu erschließen?
Bullinger: Natürlich beobachten wir die Veränderungen auf dem Weltmarkt sehr genau. Vor allem Wachstumsmärkte wie China, Russland und Indien haben wir fest im Blick. Unser weltweites Netz an Service-, Ersatzteil- und Verkaufsagenturen wird ständig verbessert, erst kürzlich haben wir zum Beispiel einen solchen Stützpunkt in Russland eröffnet. Doch Wachstum bezieht sich nicht nur auf die Erschließung neuer Märkte. Darüber hinaus gilt es, das bestehende Angebot an die sich verändernden Bedürfnisse unserer Kunden immer wieder anzupassen. In der Pharmabranche wächst derzeit das Segment Biotechnologie rasant. In diesem Zusammenhang sind es vor allem die komplexen Herstellungsverfahren, die neue Herausforderungen an uns als Spezialmaschinenhersteller stellen, sowie die Tatsache, dass hier oft eher kleine Chargen abgefüllt bzw. verpackt werden. Vor allem auch: Bei uns als Spezialmaschinenbauer haben Forschung und Entwicklung einen hohen Stellenwert. Nur so kann man auch außergewöhnlichen Kundenwünschen gerecht werden und nur so hebt man sich durch ein besonderes Angebot von den Mitbewerbern ab.
RegioBusiness: Sie haben am Standort Ilshofen investiert und kündigen weitere Bauvorhaben an. Welche Strategie steckt dahinter?
Bullinger: In der Tat wurde seit der Neugestaltung der Gesellschafterstruktur 2007 - alleinige Gesellschafter sind nun die Familien Ströbel und Bullinger - kräftig investiert. Wir haben für 3,5 Millionen Euro gebaut und wollen in den nächsten Jahren weitere fünf Millionen Euro investieren. Die Montagekapazität soll weiter wachsen, ein Kommissionierungslager sowie Besprechungs- und Sozialräume sind in Planung.
RegioBusiness: Werden Sie hier noch weitere Arbeitsplätze schaffen oder wird es Wachstum eher im Ausland geben?
Bullinger: Unsere Kernkompetenzen liegen ganz klar hier in Deutschland, unsere große Stärke ist das Know-how und das Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deren Zahl ist in den vergangenen drei Jahren um 120 auf u?ber 900 gestiegen - und das Wachstum hält weiter an.
