Gefragter Knochenmarkspender
- only available in german language -Jürgen Stengel im Mittelpunkt der DKMS-Typisierungsaktion bei Bausch + Ströbel
Beim Ilshofener Sondermaschinenbauer Bausch + Ströbel haben sich überdurchschnittlich viele Mitarbeiter für eine Stammzellenspende typisieren lassen. Grund ist vermutlich die Spende von Jürgen Stengel.
Der 43-Jährige hatte sich vor mehr als zehn Jahren in Schwäbisch Hall Blut abzapfen lassen. "Damals arbeite ich bei Klafs", erinnert sich Stengel. "Wir sind nach der Arbeit als Gruppe zur Typisierung gegangen."
Vergangenen August war dann ein Schreiben von der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, gekommen. Diese hatte Stengels neue Adresse übers Einwohnermeldeamt in Bühlerzell ausfindig gemacht. Denn Stengel lebte mittlerweile in Bühlertann.
"Mir wurde geschrieben, dass ich für eine Spende in Frage komme", sagt er. Seine Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen, bestand unverändert. Daher kam per Post ein Paket mit Infomaterial, Röhrchen und Fragebogen. Stengel ging zum Hausarzt, ließ sich dort Blut abnehmen und schickte alles per Post wieder an die DKMS.
Dann wiederholte sich das Prozedere. Nur kam dieses Mal ein Kurier aus Tübingen, dem Sitz der DKMS, brachte ein Paket mit Röhrchen zum Hausarzt und holte es dort nach der Blutentnahme wieder ab. Jeder Test bestätigte: Stengels Stammzellen sind denen eines 50-jährigen Leukämiekranken in Dänemark relativ ähnlich. Ende Oktober untersuchten Ärzte den Bühlertanner in einer Nürnberger Klinik. Denn dort sollte im November die Spende erfolgen.
"Am 10. November haben sie mir links und rechts der Wirbelsäule aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen", erzählt der 43-Jährige. Der Eingriff war recht unkompliziert: Montags hin, mittwochs wieder zurück. Nur die zweite Folgewoche verbrachte Stengel weitgehend auf seinem Sofa: "Ich war total erschöpft."
Da die Spende nicht als Krankheit zählt, bekam Bausch + Ströbel die Ausfallzeit von der DKMS bezahlt. "Natürlich gibt es für die Knochenmarkspende kein Geld", sagt Stengel. Schließlich wolle er Kranken helfen. "Ich habe selber zwei Kinder, da sieht man das gleich anders." Als Stengel bei Bausch + Ströbel nach einer Typisierungsaktion anfragte, rannte er bei Geschäftsführer Siegfried Bullinger offene Türen ein. Denn dieser hatte sich nach Medienberichten ähnliches überlegt. Geschäftsführer Markus Ströbel ist bereits typisiert - die Zusage der Firmenleitung war also reine Formsache.
"Normal beteiligen sich maximal zehn Prozent einer Belegschaft", sagt Beate Mayer von der Tübinger DKMS. Bei Bausch + Ströbel sind es mehr als 20 Prozent - "das ist echt super". Stengel war in den Wochen vor der Aktion ein gefragter Gesprächspartner. "Einige Kollegen hatten Angst", sagt er. Anhand seiner eigenen Spendergeschichte klärte er über Ablauf und Risiken auf. Stengel hat über die DKMS die Mitteilung erhalten, dass sein Empfänger sich auf dem Weg der Besserung befindet. Namen und Adressen können erst zwei Jahre nach einer Spende ausgetauscht werden.
Neben öffentlichen Typisierungen bei Vereinen ist der DKMS eine Firmenaktion am liebsten. Denn dabei bezahlt das Unternehmen pro Blutprobe 50 Euro - dieser Betrag ist nötig, um das Blut typisieren zu lassen. Bausch + Ströbel wird für die 200 Mitarbeiter also 10 000 Euro an die DKMS überweisen.
In wenigen Wochen wird eine weitere Bauch + Ströbel-Mitarbeiterin Stammzellen spenden: Solveig Kunz aus Crailsheim wird nach Nürnberg zur Blutwäsche fahren. Dieses Verfahren wird viermal so häufig angewandt wie die operative Entnahme.
